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Katalog der UB Siegen

Beitragsarten

Es wird folgende Beitragsarten geben:

Hauptvorträge: Fünf international bekannte Redner*innen werden jeweils einen Hauptvortrag halten, die alle im großen Saal des Tagungshauses stattfinden. Inklusive Fragen wird ein Hauptvortrag 55 Minuten dauern.

Symposien: Am Samstagvormittag werden eine Reihe von wissenschaftlichen Symposien parallel in Seminarräumen des Campus Unteres Schloss (wenige Gehminuten vom Tagungshaus) stattfinden. Mehrere (etwa drei bis fünf) kürzere wissenschaftliche Vorträge werden zu einem Symposium zusammengefasst. Ein Symposium dauert 90 Minuten. Jede/r Teilnehmer*in kann einen eigenen Vortrag anmelden, den sie oder er im Rahmen eines solchen Symposiums halten möchte. Die Veranstalter werden die Vorträge thematisch in Symposien bündeln. Eine Gruppe von Teilnehmer*innen kann auch ein Symposium mit 3-5 Vorträgen anmelden. Nähere Informationen siehe unten.

Workshops: Am Freitagnachmittag werden zwölf praxisorientierte Workshops parallel in Seminarräumen des Campus Unteres Schloss (wenige Gehminuten vom Tagungshaus) stattfinden. Ein Workshop dauert 120 Minuten. Erfahrene Workshopleiter*innen werden ein spezifisches Thema vertiefen und mit Demonstrationen und Übungen vermitteln. Jeder Teilnehmer kann nur einen Workshop besuchen. Bei der Anmeldung werden drei Favoriten angegeben, die Zulassung zu den Workshops wird nach Anmeldezeitpunkt vergeben. Die Kosten für den Workshop sind im Tagungspreis enthalten.

Der Workshop zur Pferdegestützten Biografiearbeit findet nach Abschluss der Tagung am Samstagnachmittag im ca. eine Stunde entfernten Bad Berleburg statt. Dieser Workshop kann zusätzlich zum Freitags-Workshop besucht werden. Bei der Anmeldung können Sie Ihr Interesse an diesem Workshop anzeigen. Die Kosten sind ebenfalls im Tagungspreis enthalten. Die Anfahrt muss selbst organisiert werden.

Kulturprogramm: Das SeniorenTheaterSiegen spielt „Da steckt man nicht drin!“, Autobiografische Szenen zum Thema "Zeit". Das Stück dauert ca. 60 Minuten, danach stehen die Schauspieler*innen in zwangloser Atmosphäre für Gespräche zur Verfügung. Die Kosten sind im Tagungspreis enthalten. Nähere Informationen zum Inhalt, der Gruppe und der Leiterin siehe unten.

Hauptvorträge


Hauptvortrag 1: Prof. Dr. med. Luise Reddemann – Transgenerationale Weitergabe: Last und Ressource

Reddemann
Luise Reddemann ist Fachärztin für Nervenheilkunde, Fachärztin für Psychotherapeutische Medizin. Psychoanalytikerin und Lehranalytikerin (DGPT, DPG). Von 1985 -2003 Leitende Ärztin der Klinik für Psychotherapie und psychosomatische Medizin Ev. Johannes Krankenhaus Bielefeld. Honorar-Prof. an der Universität Klagenfurt für Psychotraumatologie. Bis 2015 Sprecherin des Wissenschaftl. Beirats der Lindauer Psychotherapiewochen. Mitglied der Wissenschaftl. Leitung der Psychotherapietage NRW. Zahlreiche Publikationen, zuletzt: „Kriegskinder und Kriegsenkel in der Psychotherapie“ Klett-Cotta sowie „Mitgefühl, Trauma, Achtsamkeit in psychodynamischen Psychotherapien“ Vandenhoek und Ruprecht.


Zum Vortrag: Erst in jüngster Zeit gehen Historiker in Deutschland und Österreich gründlich der Frage nach, wie viele ehemals hochrangige Nationalsozialisten nach dem Krieg erneut in Behörden unterkamen. Die Zahlen, die erschreckend hoch sind, zeigen deutlich, dass die NS-Zeit zwar vorbei war, aber Nationalsozialisten es immer noch sehr viele gab, die nicht zuletzt das Klima der jungen Bundesrepublik prägten. Die Aufarbeitung der Verbrechen wurde vielfach verhindert, wenngleich sie in Deutschland zunehmend geleistet wurde, in Österreich beginnt diese Aufarbeitung erst jetzt genauer. Was bedeuten diese Tatsachen für die Kinder, also diejenigen, die unter NS-Zeit und Krieg auf die eine oder andere Weise litten? Welche Themen hatten sie aufgrund der Erfahrungen ihrer Vorfahren zu verarbeiten und was haben sie weitergegeben? Hat heute die Bereitschaft, Flüchtlingen zu helfen bzw. die Feindseligkeit ihnen gegenüber etwas mit dieser Vergangenheit zu tun? Ist sie also ein unbewusstes Erbe, das wir uns bewusst machen sollten, um die derzeitigen Verwerfungen zu verstehen, um mitfühlend handeln zu können? Die "Kriegskinder" kommen häufig erst jetzt im Alter in Kontakt mit diesen Fragen und ihrer Verantwortung gegenüber nächsten Generationen. Darüber soll im Vortrag nachgedacht werden.


Hauptvortrag 2: Prof. Dr. Frank Neuner – Die psychischen Folgen der Gewalt: Neue Wege in der Behandlung und Versorgung

Neuner
Frank Neuner ist Professor für Klinische Psychologie und Psychotherapie an der Universität Bielefeld und Leiter der angeschlossenen Hochschulambulanz. Er ist international bekannt als einer der Entwickler der Narrativen Expositionstherapie, einer Kurzzeittherapie zur Behandlung von Traumafolgestörungen. Er hat mehrere randomisiert kontrollierte Therapiestudien mit Kriegsopfern in Afrika, Asien und Europa durchgeführt. Seine Expertise ist die Ätiologie, Epidemiologie und Behandlung komplexer Traumafolgen bei Opfern von Kriegen und Kindesmisshandlung. Gegenwärtig hat er Forschungsprojekte bei DFG, BMBF und Volkswagenstiftung zu diesen Themen.


Zum Vortrag: Der größte Teil der Menschheit hat nicht das Privileg, in einer sozial, politisch und ökonomisch geschützten Umwelt aufzuwachsen. Gewalt und Verfolgung sind an der Tagesordnung in zahllosen Konfliktgebieten. Kriegsgewalt geht einher mit häuslicher Gewalt, wie körperlicher, sexueller und emotionaler Misshandlung. Derartige Erlebnisse sind toxisch für die Entwicklung von Kindern und traumatisch für Erwachsene. Die pathologischen Folgen sind vielfältig und lassen sich nur unzureichend mit den gegenwärtigen Diagnosesystemen der Psychiatrie beschreiben. Die wissenschaftliche Beleuchtung der Traumafolgestörungen enthüllt die Intensität und Massivität der Traumatisierungen in der Gesellschaft und weist hin auf die Notwendigkeit pragmatischer Interventionen für Flüchtlinge. Die erfolgreiche Versorgung von Traumaopfern erfordert ein Umdenken gegenwärtiger Strukturen.


Hauptvortrag 3: Prof. Dr. Klaus Wolf  – Doppelte Erbschaften? Lebenslange biografische Verortungsprozesse von Pflege- und Adoptivkindern

Wolf
Klaus Wolf ist Professor für Sozialpädagogik an der Universität Siegen. Forschungsschwerpunkt: Aufwachsen unter extrem ungünstigen Bedingungen. Leiter der „Forschungsgruppe Pflegekinder“ der Universität Siegen. Board member der European Scientific Association on Residential & Family Care for Children and Adolescents. Gründer des Foster-Care-Research-Networks. Mitherausgeber der Zeitschrift für Sozialpädagogik.


Zum Vortrag: Biografien von Pflege- und manchmal auch von Adoptivkindern entwickeln sich in einem besonders unübersichtlichen Gelände, das heißt in einem Lebens- und Lernfeld, das sie mit ungewöhnlichen Aufgaben und Herausforderungen konfrontiert. Hier machen sie dann ihre biografischen Suchbewegungen und Bewältigungsversuche. Ein wichtiges Merkmal des ungewöhnlichen Sozialisationsfeldes ist die Herkunftsfamilien-Pflegefamilien-Figuration, in der das Leben und Aufwachsen stattfindet. Ein weiteres ist die Verortungsarbeit, die auch die Adoptierten lebenslang leisten (müssen). Die Verbindungen, Zugehörigkeiten und Identitätsfragen bearbeiten sie dabei in einem lebenslangen Prozess. Wie sie das tun und welche Ressourcen ihnen die Orientierung und Bewältigung erleichtern soll im Vortrag illustriert werden.


Hauptvortrag 4: Dr. med. Elke Horn – Kollektive Gefühlserbschaften des Nationalsozialismus: Psychoanalytische Beobachtungen zur Weitergabe zwischen den Generationen

Horn
Elke Horn, Dr. med., ist Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie sowie Psychotherapeutische Medizin und  niedergelassene Psychoanalytikerin und Gruppenanalytikerin in Düsseldorf (DGPT, DPG, IPV, D3G). Sie ist Dozentin und Lehranalytikerin am Institut für Psychoanalyse Düsseldorf sowie Vorsitzende der Düsseldorfer Arbeitsgruppe der Deutschen Psychoanalytischen Gesellschaft (DAG-DPG). Sie ist Mitglied des Arbeitskreises für die intergenerationellen Folgen des Holocaust (PAKH). Arbeitsschwerpunkte sind psychoanalytische Behandlungstechnik, Gruppenpsychoanalyse sowie die Folgen der NS-Zeit für die Gegenwart.


Zum Vortrag: Der Nationalsozialismus hat nach seinem politischen Ende nicht nur in gesellschaftlichen Strukturen, sondern auch im Erleben der daran Beteiligten und der davon Betroffenen weiter gewirkt. Es wird die These vertreten, dass es aufgrund des Ausmaßes der begangenen Verbrechen und der erlebten Traumatisierung nicht möglich war, diese Ereignisse in einer Generation zu verarbeiten. Vielmehr kam es zu individuellen und kollektiven Abwehrbewegungen, die dazu führten, dass Unverarbeitetes weiter im Unbewussten und in der kulturellen Matrix wirksam blieb. Der Spur des Nicht-Bewältigbaren und seiner Auswirkungen auf die nachkommenden Generationen (z.B. auf das Generationenverhältnis und das Identitätsempfinden) soll in diesem Beitrag nachgegangen werden.


Hauptvortrag 5: Prof. Dr. Dr. med. Andreas Maercker – Lebensrückblick mit Älteren und der besondere Stellenwert von Traumatisierungen

Märcker
Andreas Maercker wurde in Berlin und San Francisco ausgebildet und arbeitete an den Universitäten in Berlin, Dresden, Trier und Zürich. Er ist Psychotherapeut und Professor für Psychopathologie und Klinische Intervention an der Universität Zürich. Seit vielen Jahren beschäftigen er und seine Arbeitsgruppe sich mit den Traumafolgestörungen u.a. im höheren Lebensalter. Er leitet die Spezialambulatorien für Traumafolgen, Altersprobleme und Onlineberatung im Psychotherapeutischen Zentrum der Universität Zürich.


Zum Vortrag: Es werden zunächst grundlegende Kenntnisse der Traumafolgen einschließlich diagnostizierbarer Störungen im höheren Lebensalter vorgestellt. Andreas Maercker gibt einen Überblick über internationale Forschungsprogramme in diesem Bereich und die dort verwendeten Therapieansätze. Ausführlich wird der Lebensrück als Therapiemethode für Traumatisierte im höheren Lebensalter vorgesellt. In der gerontologischen Forschung hat Robert Butler in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts den Lebensrückblick als Forschungsmethode eingeführt. Weil sich insbesondere integrative und instrumentelle Erinnerungsformen als mit Wohlbefinden einhergehend erwiesen haben, wurden in den letzten Jahrzehnten auch therapeutische Formen des Lebensrückblicks in der Alterspsychotherapie eingesetzt. Nachdem sich die Lebensrückblicktherapie in der Depressionsbehandlung als äußerst wirksam erwiesen hat, wird sie seit einiger Zeit vermehrt auch bei älteren Traumapatienten eingesetzt. Wie das aussehen kann, wird in dem Vortrag diskutiert.

Symposien


Jede/r Teilnehmende kann einen einzelnen Vortrag oder ein Symposium mit 3-5 Vorträgen anmelden. Ein Symposium soll 3-5 Einzelbeiträge beinhalten, die zu einer kohärenten Thematik unter einem gemeinsamen Obertitel gemeinsam angemeldet werden. Wird ein einzelner Vortrag angemeldet, erfolgt die Zusammenfassung mehrerer Einzelbeiträge zu einem thematischen Symposium durch die Veranstalter.

Zielsetzung ist, dass in diesen Symposien wissenschaftliche Forschungsergebnisse oder neue Konzepte vorgestellt werden.

Es gibt bereits zwei eingeladene Symposien:
-    Biografische Forschung mit Pflegekindern
-    Aktuelle Forschungsprojekte zum Lebensrückblick mit Älteren

Die Einreichung erfolgt auf diesem Formular: Anmeldung_Beitrag.rtf. Speichern Sie bitte diese Datei auf Ihrem Computer, füllen Sie sie aus und schicken Sie an biografietagung@uni-siegen.de.

Deadline der Einreichung: 27. Juli 2017

Workshops


Workshop 1: Ingrid Brütting – Biografiearbeit mit älteren Menschen im pflegerischen Kontext

Brütting
Ingrid Brütting ist Dipl. Sozialpädagogin FH, ihre Diplomarbeit schrieb sie zum Thema „Alterssuizid - eine Studie im Raum Coburg - Kronach und Lichtenfels“. Heilpraktikerin für Psychotherapie (HPG). Integrative Tanzpädagogin (AGB), Entspannungstherapeutin, Trainerin für Atem- und Körpertherapie, Trainerin für Biografiearbeit. Leitung Sozialdienst im Pflegeheim Seniorenzentrum Freising seit 2003, davor Leitung Sozialdienst im Pflegestift Nicola der Curanum AG in Landshut. Fachdozentin für Biografiearbeit in Ausbildungs- Instituten für Betreuungskräfte nach §87b. Dozentin an der Altenpflegeschule Landshut in der Ausbildung für Gerontofachkräfte.
 

 
Zum Workshop: Biografiearbeit hat sich in der Pflege mittlerweile als ein unentbehrliches Medium und Werkzeug für den Umgang und das bessere Verständnis für die Pflegekunden erwiesen. Nicht immer gelingt es durch Nachfrage, das aktive Gedächtnis zu aktivieren und etwas aus der Biografie eines Menschen zu erfahren. Dies ist insbesondere der Fall, wenn die Pflegekunden demenziell erkrankt sind. Sinnesorientierte kreative Methoden der Biografiearbeit und die Kenntnis der Zeitgeschichte helfen dabei dann häufig weiter. Im Workshop werden Methoden vermittelt, biografische Erinnerungen durch Schlüsselreize für alle Sinne zu wecken und erfahrbar zu machen.


Workshop 2: Gabi Erne – Tischlein deck dich! Biografie des Schmeckens

Erne
Gabi Erne ist Künstlerin und Playing Artist. Geb. 1956 in Freudenstadt. Studium der Kunst/Visuellen Kommunikation und Religionspädagogik in Kassel, Staatsexamen. Heirat mit Pfr. Dr. Thomas Erne, Pfarrhaus in Köngen. Kinder, Kirche, Küche, Kunst. Versuch, die vier Lebensbereiche zusammenzubringen. Dies gelang im Spiel: seit 2002 Playing Artist, Netzwerk Spiel und Kultur. Ausstellungen, Workshops, Performances, Installationen, spirituelle Garküche. Seit 2005 auch Begegnungs-Clownin im Altenheim und seit 2010 Fortbildungsleitung für Altenheim ClownInnen. Lebt seit August 2007 in Marburg.


Zum Workshop: Das Tischlein im Märchen deckt sich selbst und zwar mit genau dem, was ich mir wünschte, noch eh` ich es gedacht habe. Ganz anders in meiner Lebens Erfahrung. Was und mit wem am Tisch musste, sollte, durfte, sicherlich auch wollte ich essen? Da der Geschmacks- und Geruchssinn sehr eng an bestimmte erlebte Situationen und Erinnerungen gebunden ist, entwickelt sich daraus eine Art „Biografie des Schmeckens“. Dieser Spur gehen wir im Workshop sinnlich, spielerisch, künstlerisch nach.


Workshop 3: Brigitte Forstner – Prävention transgenerationaler Weitergabe von Traumatisierungen

Forstner
Brigitte Forstner ist seit 2007 Projektmitarbeiterin der Forschung in der Pädiatrischen Psychosomatik des Dr. von Haunerschen Kinderspitals LMU unter der Leitung von Dr. K.H. Brisch. Systemische Familientherapeutin (CGIST, Carol Gammer), ausgebildet in Traumatherapie (ZPTN, Lutz Besser) und Bindungspsychotherapie (K.H. Brisch), Körperpsychotherapie für Schwangere und Säuglinge, SAFE®-Mentorin. Zahlreiche Weiterbildungen zur Bindungs-Diagnostik bei Erwachsenen und Kindern: Adult Attachement Interview, Adult Attachement Projective, Emotional Availability Scale, Reflective Functioning, Fremde Situationstest, Geschichtenergänzungsverfahren. Projekte: „SAFE®-Eltern", „SAFE®-Krippe", „SAFE®-Mutter Kind Abteilung des Frauengefängnisses München". Berufliche Erfahrungen: Beratung und Therapie von Familien und Eltern; Leitung von Eltern- und Fachgruppen (Erzieherinnen, Lehrer, JVA Personal) zu den Themen sichere Bindungsentwicklung, Feinfühligkeit, Weitergabe eigener traumatischer Erfahrungen.


Zum Workshop: In der Arbeit mit werdenden Eltern oder auch Eltern, deren Kinder schon geboren sind, wird deutlich, welche Notwendigkeit besteht, diese anzuleiten, eigene Kindheitserfahrungen zu reflektieren, sowie potentiell traumatische Ereignisse einschätzen zu können. Mit dem SAFE®-Eltern Programm zur Förderung einer sicheren Bindung und Prävention einer transgenerationaler Weitergabe von Traumatisierungen stehen uns vielfältige Methoden zur Verfügung, die in der Gruppen- und Einzelarbeit genutzt werden können. Das Erwachsenen-Bindungsinterview, ausgewählte Trauma-Fragebögen, Feinfühligkeits-Training und Ressourcenübungen spielen dabei eine wichtige Rolle. In dem Workshop möchte ich den Präventionsansatz zum einen anhand von Fallbeispielen verdeutlichen und zum anderen praktisch erlebbar machen.


Workshop 4: Dr. med. Elke Horn – " Living skulptures": Workshop mit Selbsterfahrungscharakter zum Thema kollektive deutsche Identität

Horn
Elke Horn, Dr. med., ist Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie sowie Psychotherapeutische Medizin und  niedergelassene Psychoanalytikerin und Gruppenanalytikerin in Düsseldorf (DGPT, DPG, IPV, D3G). Sie ist Dozentin und Lehranalytikerin am Institut für Psychoanalyse Düsseldorf sowie Vorsitzende der Düsseldorfer Arbeitsgruppe der Deutschen Psychoanalytischen Gesellschaft (DAG-DPG). Sie ist Mitglied des Arbeitskreises für die intergenerationellen Folgen des Holocaust (PAKH). Arbeitsschwerpunkte sind psychoanalytische Behandlungstechnik, Gruppenpsychoanalyse sowie die Folgen der NS-Zeit für die Gegenwart.


Zum Workshop: Was bedeutet es heute, deutsch zu sein? Wie wirken sich geschichtliche Ereignisse wie Vernichtungskrieg, Holocaust oder Flucht und Vertreibung der Vorfahren auf unser Identitätsempfinden aus? Welche anderen geschichtlichen Ereignisse in der Folge sind heute bedeutsam für unser Selbstverständnis? Nach einem gemeinsamen Gespräch und einigen Lockerungsübungen besprechen die Teilnehmer in zwei Gruppen, welchen Aspekt dieses Themas sie darstellen möchten. Sie bilden eine Skulptur mit ihren Körpern, wobei jeder sich in Relation zu den anderen einen Platz sucht, den er als für sich passend erlebt. Die Skulpturen werden dann zunächst von der jeweils anderen Gruppe mit Assoziationen angereichert und schließlich gemeinsam interpretiert.


Workshop 5: Sarah Inal & Marianne Marheineke – Biografiearbeit mit geflüchteten Kindern und Jugendlichen

Inal
Sarah Inal, Pädagogin M.A. und Traumapädagogin (DeGPT). Studium der Pädagogik und Interkulturellen Erziehungswissenschaften in München und Hamburg. Seit 2006 bei der Stiftung Children for Tomorrow tätig, derzeit Projektleitung eines Schulprojekts zur psychischen Stabilisierung geflüchteter Kinder. Weitere Arbeitsschwerpunkte: Traumapädagogische Gespräche, Fortbildungsangebote.

 

Marheineke
Marianne Marheineke, M. Ed., Lehrerin im Hamburger Bildungsgang AVM-Dual an einer Beruflichen Schule. AVM-Dual ist eine dualisierte Ausbildungsvorbereitung für jugendliche Migrant*innen und Geflüchtete.


Zum Workshop: Die Zahl geflüchteter Kinder und Jugendlicher im deutschen Unterstützungssystem ist in den letzten Jahren enorm gestiegen. Nicht selten sind die Biografien dieser Kinder durch Krieg, Armut und Gewalt geprägt. Bei der Arbeit an der Lebensgeschichte Geflüchteter gilt es neben der Berücksichtigung möglicher traumatischer Erlebnisse und dem Umgang mit Verlusten im Familiensystem, vor allem der Auseinandersetzung mit der Identität besondere Beachtung zu schenken. Anhand der persönlichen Geschichte können eigenen Stärken erkannt und individuelle Fähigkeiten und Eigenschaften reflektiert werden. Ziel des Workshops ist es über die Lebensbedingungen von geflüchteten Kindern und Jugendlichen zu informieren, Besonderheiten in der Biografiearbeit mit diesen aufzuzeigen und insbesondere Methoden und Techniken vorzustellen. Letztere werden u.a. aus einem Tagebuch-Projekt – dem Logbuch Neuland (bpb) und dem Psychosozialen Schulprojekt für geflüchtete Kinder und Jugendliche – herangezogen.


Workshop 6: Barbara Kerkhoff – Der rote Faden: Biografische Begleitung älterer Menschen im geragogischen Kontext

Kerkhoff
Barbara Kerkhoff ist Dipl.-Sozialpädagogin, Dipl.-Sozialgerontologin und Seniorentanzleiterin. Langjährige Erfahrung als Ausbildungsreferentin im Bundesverband für Gedächtnistraining e.V. und als Dozentin an Fachseminaren für Altenpflege, seit 1997 freiberuflich tätig. Durchführung von Kursen und Veranstaltungen mit den Schwerpunktthemen „Altersbilder“, „Biografiearbeit als Schlüssel zum Verständnis eines Menschen“, „Lernen im Alter“ und „Lebensgestaltung im Alter“.


Zum Workshop: Der Blick in die Vergangenheit eines Menschen kann individuelle Ressourcen erschließen, Lernanlässe bieten, sein Leben intensiv zu betrachten, und helfen, die Zukunft mit neuem Blick zu gestalten. In diesem Workshop beschäftigen wir uns mit unterschiedlichen Möglichkeiten biografischer Arbeit im geragogischen Kontext. Hilfreich kann ein Lebensbuch als bunte Ansammlung von Daten, Ereignissen, Erzählungen und Bildern sein, die Auskunft über das gelebte Leben einer Person gibt. Praktische Beispiele zeigen, wie ein Lebensbuch geschrieben werden kann, für sich selber, zu runden Geburtstagen für einen lieben Menschen. Manchmal wird es ein dickes Buch, aber die vorgestellte Arbeitshilfe „Symbol trifft Biografie“ ermöglicht einen einfachen Zugang zum biografischen Schreiben und Reflektieren. Ein weiteres interessantes Projekt hat zum Inhalt, dass die Großelterngeneration sich mit Werten und Erfahrungen auseinandersetzt, die an die Enkelgeneration weitergegeben werden können; das kann sowohl in Gruppengesprächen als auch im Internet geschehen. Alle Projekte sind praktisch erprobt, die Ergebnisse werden vorgestellt.


Workshop 7: Prof. Dr. phil. Norma Köhler – Biografisches Theater: Das Potenzial des Performativen

Köhler
Norma Köhler, geb. 1974, ist Professorin für Theaterpädagogik an der FH Dortmund. Dort lehrt sie seit 2009 im Studiengang Soziale Arbeit kulturwissenschaftliche und ästhetisch-praktische Perspektiven biografischer Arbeit und leitet am FB Angewandte Sozialwissenschaften die vom Bundesverband Theaterpädagogik zertifizierte theaterpädagogische Grundlagenausbildung. Im Verbund mit Team-Kolleg*innen entwickelt sie die Ausbildungslinie unter dem Titel ‚Theater als Soziale Kunst’ beständig weiter. Zuletzt ist in 2016 eine gleichnamige Tagungtrilogie (mit gekoppelten Publikationen) abgeschlossen worden, die neben dem Theater als Forschungsformat (III), die Aspekte der Partizipation (II) und des Biografierens auf der Bühne (I) thematisierten. Ihre Promotion verfasste Norma Köhler ebenfalls zum Themenfeld Biografischer Theaterarbeit, während Sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Hamburg (Lehramt und Performance Studies) tätig war. Zuvor leitete Sie den Jugendkulturbereich der WerkStadt Witten, nachdem sie ihr Studium in Hildesheim (Kulturrwiss./Kulturpäd.) und Utrecht (Theater) mit dem Schwerpunkt ‚Biografie und Theater’ abgeschlossen hatte.


Zum Workshop: Menschen begegnen sich, bilden ein Ensemble und überführen in einer Projektarbeit ihre lebensgeschichtliche und -beschreibende Kommunikation in eine Aufführungssituation vor Publikum. Für diesen Theateransatz gibt es viele Umsetzungswege, diverse ästhetische Stile und Inszenierungsformate. Der Workshop gibt einen Überblick zu aktuellen Produktionszusammenhängen und thematisiert anschließend über kleine Wahrnehmungsübungen und Arbeitsbeispiele grundlegende Aspekte, die in Biografischer Theaterarbeit dramaturgisch und ethisch bedeutsam und bildungsrelevant sind. Das Tagungsthema ‚Biografische Erbschaften’ gibt dabei den konzeptuellen und perspektivischen Fokus vor. Darstellerisch wird insbesondere der Spielraum des Biografierens im Dazwischen akzentuiert: Zwischen Fakt und Fiktion, zwischen individueller und kollektiver Orientierung, zwischen Narration und Demonstration, zwischen Behauptung und Erprobung als auch zwischen Zuschreibung und Befragung. Theatererfahrung ist nicht notwendig, die Bereitschaft/Freude an praktischer Teilhabe sehr willkommen. Ziel ist es, Inspiration für Projektinitiativen zu geben und die eigene Reflektion über das (Auto-)Biografieren als (auch) ästhetischem Phänomen anzuregen.


Workshop 8: Isabel Ursula Morgenstern – Geschichten die Mut machen: Ressourcenorientierte Biografiearbeit mit Eltern und Großeltern

Morgenstern
Isabel Ursula Morgenstern, M.A., ist Pädagogin/ Referentin für Biografiearbeit, Autorin, Theaterpädagogin, Master in Biografischem und Kreativem Schreiben. Seit 1990 in der Jugend- und Erwachsenenbildung tätig. Weiterbildung von Fachkräften in Bildung, Erziehung, Sozialer Arbeit. Entwicklung von Methoden ressourcenorientierter Biografiearbeit mit Kindern, Eltern und Großeltern in einem Berliner Stadtteil, der als sozialer Brennpunkt gilt. Gründung von Memory Biografie- und Schreibwerkstatt e.V. 2008, bis 2015 Konzeption und Durchführung von Projekten zur Biografiearbeit für Programme des Bundesfamilienministeriums. Autorin von Projekt Lebensbuch – Biografiearbeit mit Jugendlichen (2011). Mülheim: Verlag an der Ruhr; Geschichten die Mut machen – Ressourcenorientierte Biografiearbeit mit Eltern und Großeltern (2015). Berlin: Memory Biografie- und Schreibwerkstatt e.V.; Migrationssensible Biografiearbeit (voraussichtlich 2018). Weinheim: Beltz Juventa.


Zum Workshop: Die Weitergabe von familienbiografischem Wissen bedeutet für Eltern und Großeltern, mit ihren Kindern und Enkeln Antworten auf Fragen zu finden wie: „Wer sind wir als Familie? Wer gehört zu uns? Was macht uns aus? Und: Wo gehören wir hin?“ Damit werden existenzielle Themen wie Identität und Zugehörigkeit angesprochen, die wiederum die Biografien der Kinder mit formen. Die Suche nach Antworten kann für jedes Familienmitglied ein einzigartiger Prozess sein, der vielfältige Anlässe bietet, die eigene Geschichte als Kraftquelle zu betrachten. Aus unterschiedlichsten Gründen kann diese Suche auch schwierig sein, z.B. wenn Familienkonstellationen komplex sind, wenn die Familiengeschichte durch Brüche geprägt ist oder wenn in der Beziehung zwischen den Generationen Kommunikationsprobleme vorherrschen. Unter Umständen kann dies dazu führen, dass familienbiografisches Wissen gar nicht oder nur bruchstückhaft weitergegeben wird und den Nachkommen dadurch eine wichtige Quelle ihrer Identitätsbildung fehlt. Eltern und Großeltern können bei der Bewältigung dieser wichtigen Aufgabe Unterstützung durch die Arbeit mit Familien-Erzählbüchern erfahren. Isabel Morgenstern hat diese Methode im Laufe ihrer mehrjährigen Projekttätigkeit für Programme des Bundesfamilienministeriums aufgegriffen und weiterentwickelt, u.a. für die Biografiearbeit mit Patchwork- und Regenbogenfamilien sowie für Familien mit Einwanderungsgeschichte. Den Hintergrund dafür bietet u.a. der international gut erforschte Ansatz der Memory Books für Familien, die von HIV/ Aids betroffen sind.


Workshop 9: Kathrin Peter-Sandrock & Andy Jespersen – Biografiearbeit mit Pflegekindern und ihren Herkunftseltern

Peter-Sandrock
Kathrin Peter-Sandrock ist seit ca. 13 Jahre als Sozialpädagogin bei zwei Bildungsträgern in verschiedenen Maßnahmen der Erwachsen- und Jugendbildung tätig. Seit April 2010 bei der INFA Kinder- und Jugendhilfe GmbH im Bereich der Elternarbeit und Umgangsbegleitung. Weiterbildung zum Personalcoach. Seit 6 Jahren freiberuflich tätig in der Umgangsbegleitung (Elternarbeit). Referentin in Workshops mit Pflegeeltern, Fachkräften der Pflegekinderhilfe, Studentinnen und Studenten.

 

Jespersen
Andy Jespersen ist seit 2009 Mitglied der Forschungsgruppe Pflegekinder Universität Siegen. Mitarbeit in verschiedenen Forschungsprojekten der Uni Siegen. Referent in Workshops mit Pflegeeltern und Fachkräften der Pflegekinderhilfe. Seit Mai 2014 als Fachberater für Erziehungsstellen bei der INFA – Kinder- und Jugendhilfe GmbH Siegen tätig.
 


Zum Workshop: Folgende Fragen werden in diesem Workshop behandelt: Was ist Biografiearbeit im Kontext der Pflegekinderarbeit? Wie sieht die Biografiearbeit mit Erwachsenen aus? (Eltern bleiben Eltern – biografischen Bedeutung.) Wie sieht die Biografiearbeit mit Kindern aus? (Pflegekinder wachsen mit zwei Familien auf – haben mehr als viele andere Kinder. Wer bin ich? – die Herkunft als zentraler Baustein in der Identifikationsentwicklung von Kindern. Loyalitätskonflikt – kann Biografiearbeit helfen?). Der Workshop gibt einen Einblick in die Methoden am Beispiel der Biografiearbeit bei der INFA Kinder- und Jugendhilfe GmbH Siegen.


Workshop 10: Barbara Rabaioli-Fischer – Lebensrückblickverfahren in Beratung und Therapie Älterer

Rabaioli
Barbara Rabaioli-Fischer ist Psychologin. War zunächst am Max-Planck-Institut für Psychiatrie tätig und als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Sportpsychologie der Technischen Universität München. Seit 1983 bis heute: Tätigkeit in freier Praxis, mit den Schwerpunkten Verhaltensmedizin, Psychoonkologie, Gerontologie und der Behandlung chronischer psychiatrischer Erkrankungen. Seit 1986: Tätigkeit als Dozentin und Supervisorin in Verhaltenstherapie an verschiedenen Ausbildungs-Instituten und Kliniken in Deutschland, Österreich, Italien für Diplom-Psychologen und Ärzte. 1991/92: Zulassung als Supervisorin und Ausbilderin in Verhaltenstherapie für Psychologen bei der Kassenärztlichen Vereinigung Bayern und für Ärzte bei der Bayerischen Landesärztekammer. Seit 2000 Akkreditierte Dozentin, Supervisorin, Selbsterfahrungsleiterin bei der bayerischen PTK. 2003 Berechtigung zur Führung einer Lehrpraxis durch die Regierung von Oberbayern. Seit 2005 Seminare zum Thema Biografiearbeit und Lebensrückblick bei den IFT-VT Tagen, Cusanus-Akademie, BdP, VfKV, Schloßhofen, PTK-Berlin und Hamburg.


Zum Workshop: Lebensrückblickinterventionen gewinnen in letzter Zeit, insbesondere für die Arbeit mit älteren und mit traumatisierten Patienten, zunehmend an Bedeutung. Das Ziel dieser Interventionen ist, dass Patienten ihre Lebenswege bzw. Biografien im Kontext einer aktuellen Problemlage (z.B. Depressionen im Alter, PTSD) nachvollziehen können. Sie gelangen damit zu einem erweiterten Verständnis des jetzigen Selbst und können dadurch ihr Problemverhalten leichter nachvollziehen und verändern. Die Vergegenwärtigung positiver und negativer Lebensabschnitte öffnet den Blick für Ressourcen und erworbene Fertigkeiten. Sie ermöglicht eine Neubewertung vergangener Lebensabschnitte, die Akzeptanz des Geschehenen und erleichtert den Weg zur Lösungsorientierung (Aufbau von Resilienz). Im Workshop werden verschiedene Lebensrückblickinterventionen, sowie Verfahren zur emotionalen Aktivierung von Erinnerungsprozessen gezeigt. Darüber hinaus werden verschiedene Interventionen, Übungen in Selbsterfahrung und Patientenbeispiele mit den Teilnehmern eingeübt und besprochen.


Workshop 11: Prof. Dr. med. Luise Reddemann – Dem inneren Flüchtling begegnen: Zum Verständnis von Vertreibung, Flucht und Ankommen in der Fremde

Reddemann
Luise Reddemann ist Fachärztin für Nervenheilkunde, Fachärztin für Psychotherapeutische Medizin. Psychoanalytikerin und Lehranalytikerin (DGPT, DPG). Von 1985 -2003 Leitende Ärztin der Klinik für Psychotherapie und psychosomatische Medizin Ev. Johannes Krankenhaus Bielefeld. Honorar-Prof. an der Universität Klagenfurt für Psychotraumatologie. Bis 2015 Sprecherin des Wissenschaftl. Beirats der Lindauer Psychotherapiewochen. Mitglied der Wissenschaftl. Leitung der Psychotherapietage NRW. Zahlreiche Publikationen, zuletzt: „Kriegskinder und Kriegsenkel in der Psychotherapie“ Klett-Cotta sowie „Mitgefühl, Trauma, Achtsamkeit in psychodynamischen Psychotherapien“ Vandenhoek und Ruprecht.


Zum Workshop: Das Thema des Hauptvortrags wird in diesem Workshop weiter geführt.


Workshop 12: Katrin Rohnstock – Durchführung von altersgemischten Erzählsalons

Rohnstock
Katrin Rohnstock wuchs in einem Drei-Generationen-Haus auf, absolvierte nach dem Abitur ein Jahr im Fachlesesaal für Psychologie und studierte Literatur- und Sprachwissenschaft. In ihrer Diplomarbeit analysierte sie am Beispiel von Brigitte Reimanns Werk, wie die drei Textsorten „Tagebücher“, „Briefe“ und „Autobiografischer Roman“ Familien-, Wissens-, Körper- und Partner-Biografien konstruieren und thematisieren (nach dem Schichten-Modell von Sloterdijk). Auf dieser wissenschaftlichen Basis und mit zahlreichen Erfahrungen in der journalistischen und redaktionellen Arbeit ausgestattet, gründete sie 1998 ihre Firma Rohnstock Biografien – als Gegenentwurf zu den Verzerrungen von Biografien in den Medien. Das Unternehmen, das heute rund 30 Mitarbeiter beschäftigt, erstellt im Auftrag von nicht-prominenten Menschen Lebensgeschichten, aufgeschrieben auf der Grundlage mündlicher Erzählungen, anspruchsvoll gestaltet mit Fotos und Zeitdokumenten, gebunden in einem Buch. In hunderten – mehr als zehnstündigen – lebensgeschichtlichen Interviews hat sie Lebens- und Familiengeschichten gehört. Parallel dazu entwickelte sie ein Veranstaltungsformat für das kollektive Erzählen verschiedener Generationen: den „Erzählsalon“. Für die intergenerative Auf- und Bearbeitung familiärer Lebensläufe wird z.Zt. ein einjähriger Schreibkurs erarbeitet: „Die Geschichte meines Vaters/meiner Mutter selber schreiben.“


Zum Workshop: Durchführung von altersgemischten Erzählsalons: Der Erzählsalon ist ein seit 15 Jahren praktiziertes Veranstaltungsformat, das sich optimal eignet für den Austausch und das Abgleichen von Erfahrungen, zur Beziehungsstiftung sowie zur Gemeinschaftsbildung. Das Format basiert auf der Tradition des jüdischen Sabbats und wurde von Katrin Rohnstock weiterentwickelt – zunächst, um den vielen älteren Menschen, die zu Rohnstock Biografien kamen und ihre Lebensgeschichte erzählen wollten, aber ein Buchprojekt nicht finanzieren konnten, einen Erinnerungsraum zu schaffen. Später wurde der Erzählsalon in Alten- und Pflegeheimen, auf einer geriatrischen Station, in Jugendklubs und Kindereinrichtungen praktiziert. Die in Erzählsalons gemeinschaftlich geteilten Geschichten bauen Brücken zwischen Generationen, Kulturen und Milieus. Im Workshop wird das Veranstaltungsformat Erzählsalon, seine Regeln, die Themen, seine Wirkung anhand von zahlreichen praktischen intergenerativen Beispielen präsentiert. Anschließend wird das Erzählsalon-Seminar vorgestellt, in dem jeder, der sich zur Salonnière oder zum Salonnier ausbilden lassen möchte, die Grundlagen für das Erzählen und Erinnern vermittelt bekommt. Wer ein professionelles Verständnis für das zutiefst menschliche Bedürfnis entwickelt, sich mitzuteilen und zuzuhören, kann selbst Erzählsalons aufbauen, leiten und pflegen und damit mithelfen, gesellschaftliche Ressourcen freizulegen. Ein Erzählsalon kann überall praktiziert werden, es braucht nur etwa zehn Menschen, die erzählen, ein bis zwei Stunden Zeit, Ruhe und die Salonnierère/den Salonnier, sie/er ist Bezugsperson für die Teilnehmer und hütet den Erzählraum. Katrin Rohnstock lädt anschließend alle Teilnehmer des Workshops ein, selbst an einem von ihr moderierten Erzählsalon teilzunehmen, um die Wirkung dieses Formats zu erfahren.


Zusätzlicher Workshop am Samstagnachmittag: Julia Schmidt – Pferdegestützte Biografiearbeit im Alter (nach Ende der Tagung, 16.00 – 18.00 Uhr, mit eigener Anfahrt)

Schmidt
Julia Schmidt ist Diplom-Sozialpädagogin, Master of Arts (i.A.), Reittherapeutin (IPTh), Kulturpädagogin, Erlebnispädagogin, Kursleiterin Progressive Muskelentspannung und Autogenes Training (AHAB), Stressmanagementtrainerin (AHAB), Entspannungstrainerin für Kinder (AHAB), Kursleiterin Tabakentwöhnungsprogramm (IFT), Train-the-Trainer (Gesundheitsbildung und Patientenschulung in der medizinischen Rehabilitation). Von 2005 bis Ende 2013 hauptberuflich als Reittherapeutin in der Odebornklinik in Bad Berleburg angestellt. Seit 2014 in der Abteilung Neuropsychologie der HELIOS Rehakliniken beschäftigt. Seit 2010 Dozentin am Institut für Pferdegestützte Therapie (IPTh). Vorstands- und Gründungsmitglied des Berufsverbandes für Fachkräfte Pferdegestützter Interventionen. Nebenberuflich selbstständig in eigener reittherapeutischer Praxis tätig (www.reittherapie-wittgenstein.de).


Zum Workshop: Dieser praxisorientierte Workshop verschafft den Teilnehme*Innen einen Einblick in den Bereich der Pferdegestützten Biografiearbeit und vermittelt ihnen möglicherweise erste Erfahrungen mit dem Medium Pferd. Als Grundlage werden zu Beginn die theoretischen Hintergründe der einzelnen Fachbereiche der Pferdegestützten Interventionen vermittelt. Als Besonderheit lernen die Teilnehmer*Innen daraufhin den konzeptionellen Grundgedanken der Pferdegestützten Biografiearbeit kennen, welche sich an dem Stufenmodell der psychosozialen Entwicklung nach Erik H. Erikson orientiert. In der Selbsterfahrung mit dem Pferd können die Teilnehmer*Innen unter Anleitung die einzelnen Phasen der menschlichen Entwicklung sowie die ergänzenden Methoden der Pferdegestützten Biografiearbeit erproben und anschließend ihre Erlebnisse reflektieren.

Hinweis: Für die Teilnahme an diesem Workshop sind ausdrücklich keinerlei reiterlichen Vorerfahrungen notwendig. Es wird jedoch darum gebeten, wetterentsprechende Kleidung und festes Schuhwerk zu tragen! Der Workshop findet nach Abschluss der Tagung am Samstagnachmittag im ca. eine Stunde entfernten Bad Berleburg statt (Pulvermühle 3, 57319 Bad Berleburg – Aue). Die Anfahrt muss selbst organisiert werden. Sollte der Workshop witterungsbedingt nicht im Freien stattfinden können, wird kurzfristig eine alternative Adresse angegeben.

Kulturprogramm


Das SeniorenTheaterSiegen spielt „Da steckt man nicht drin!“, Autobiografische Szenen zum Thema "Zeit". Das Stück dauert ca. 60 Minuten, danach stehen die Schauspieler*innen in zwangloser Atmosphäre für Gespräche zur Verfügung.

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„Da steckt man nicht drin!“
Ein Theaterstück über die Zeit, über Vergangenheit, Gegenwart und die Zukunft, über die Unumkehrbarkeit einer physikalischen Größe, über das Wünschen und Verwünschen, eben über das Leben... Biografische Geschichten auf den Brettern, die die Welt bedeuten! Denn wer schreibt bessere Geschichten, als das Leben selbst?! Das SeniorenTheaterSiegen spielt ein Stück; ein sehr persönliches, denn die Szenen dieses Stückes sind ein Teil ihrer eigenen Biografie. Zum Geschehen: Uns läuft die Zeit davon! Da hilft nur eins: Wir müssen uns Zeit verschaffen. Aber wie? Zeit und Gesundheit sind nicht käuflich zu erwerben! Da ist es umso spannender, wenn man erfährt, dass es in Bad Glockstätt einen Zeitladen gibt: „Viertel vor Ganz“! Einige ältere Personen machen sich auf die Reise. Jeder hat seine ganz persönlichen Gründe. Kann man sich Zeit zurückholen? Kann man Erlebnisse wiederholen? Was passiert, wenn die Uhr plötzlich rückwärts läuft? Kann man schlechte Zeiten gegen gute Zeiten tauschen? Was wäre, wenn ich…? Zeit ist Geld! Was kostet wohl eine Stunde? Ob ich mir das leisten kann (bei meiner kleinen Rente!)? Alles Fragen, denen sich das SeniorenTheaterSiegen mutig gestellt hat und mit bittersüßem Ernst und viel Humor in ihrem neuen Stück „Da steckt man nicht drin!“ begegnet. Bis die Polizei kommt und den Laden wegen Verstoßes gegen das „Altersschutzgesetz“ schließen will.


Leitung: Beate Gräbener, M.A. studierte an der Albertus Magnus Universität Köln Theater-, Film- und Fernsehwissenschaften, Deutsche Philologie und Pädagogik. Sie arbeitet in Kindergärten, Schulen, sozialen Einrichtungen, Universitäten und Kommunen als Theaterpädagogin und Lehrerin für Deutsch als Fremdsprache. Im Jahr 2000 gründete sie das SeniorenTheaterSiegen und schreibt und produziert seitdem in loser Folge Theaterstücke in denen sie biografische Erlebnisse und Erfahrungen der TeilnehmerInnen verarbeitet. Diese Inszenierungen werden regelmäßig im Kleinen Theater im Lyz in Siegen  präsentiert. Als Grundlage dieser Theaterarbeit dienen die Methoden des Psychodramas nach Moreno, Körpererfahrungen nach Feldenkrais ebenso wie auch die Methoden des Forumtheaters von Augusto Boal und die des Verfremdungseffekts bei Bertolt Brecht.

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Zeitungsartikel: http://www.derwesten.de/staedte/nachrichten-aus-siegen-kreuztal-netphen-hilchenbach-und-freudenberg/senioren-theater-siegen-geschichten-aus-dem-eigenen-leben-id10425053.html